Review zu Call of Duty: Modern Warfare (2019) für PC

  • Da wir hier eine Review-Sektion haben, die leider viel zu wenig genutzt wird, möchte ich gerne mein Review vom aktuellen CoD dalassen und dem einen oder anderen bei der Meinungsbildung und einer möglichen Kaufentscheidung helfen. Ich habe mir kaum Videos zu CoD angesehen und entsprechend spiegelt das Review auch zu 99% meine Meinung wieder. 1% lasse ich den Leuten, durch die ich mich habe beeinflussen lassen, wie z.B. die internen Diskussionen als wir am Zocken waren ^^


    Nur eins: Das letzte CoD, was mich wirklich gefesselt hat und mMn einfach rundherum geil war, war CoD: MW3 aus dem Jahr 2011. Deshalb ziehe ich natürlich einige Parallelen, was die einzelnen Bewertungscharakteristika angeht.



    Multiplayer

    Machen wir uns nix vor - man kauft CoD vor allem, um andere Leute aus der Map zu pusten. Deshalb fange ich mit dem Multiplayer-Review zuerst an.


    PRO

    Zu den Pros kann ich sagen, dass die Performance vom Game echt sahnig ist und das Gameplay flüssig vonstatten geht. Dabei habe ich mit meiner GTX 1070 und dem i7 6700K keine Bossmaschine zuhause stehen, aber ein Medion PC ist es auch nicht. Der Prozessor ist in dem Falle der "Flaschenhals". Dennoch gab es, so weit ich mich erinnern kann, auf hohen Einstellungen nie wirklich Ruckler. Le Aiming ist smooth af und es macht einfach nur richtig Bock auf mehr. Das Klassensystem sowie die Waffenaufrüstungen und Killstreaks sind insgesamt ebenfalls ein großes Plus. Darüber gibt es aber im Internet genügend Infovideos und deshalb werde ich nicht auf sämtliche Eigenarten der Ausrüstung eingehen. Das würde auch den Rahmen des Reviews sprengen. Es sei nur so viel gesagt, dass man variabel bis zu 5 Aufsätze auf Waffen packen kann. Dadurch hat man wirklich tolle Kombinationsmöglichkeiten. Abschussserien sind ebenfalls nicht an eine Klasse gebunden und lassen sich je nach Belieben einstellen.


    Weitere Pros sind:

    • das Optionsmenü: mächtig, übersichtlich, benutzerfreundlich
    • der Sound - selbst ein Einohrgeharnischter kann sich daran erfreuen
    • abwechslungsreiche Spielmodi
    • das HUD
    • ein wirklich fordernder und gut designter Koop


    KONTRA

    Kommen wir zu dem Teil, der mir den Spaß am Spiel genommen hat. Und der ist gerade im Multiplayer aktuell nicht sonderlich klein.

    1. Es ist schon ein Running Gag geworden: Die Shader. Das Spiel liegt bei mir auf einer M.2 SSD mit saftigem Datendurchsatz und mein System auf einer normalen SSD. Trotzdem müssen nach jedem einzelnen CoD- oder GraKa-Patch die Shader aktualisiert werden. Nach jedem. Tut man das nicht, laggt es ingame und sogar im Menü sehr stark. Wenn diese Installation eine Minute dauern würde, würde ich nichts beanstanden. Aber sie dauert locker 20-30 Minuten... 20 Minuten für den Multiplayer und 10 Minuten für den Singleplayer. Manche im Clan haben dasselbe Problem und bei anderen ist die Installation innerhalb von Sekunden vorbei. Dass ich mir einen Kaffee währenddessen machen kann, ist das einzig Positive an dem Mist. Absolutes No-Go!
    2. Die Gestaltung der Maps finde ich mehr als fragwürdig. Es sieht so aus, als ob manchmal einfach nur ein Praktikant für das Modeling abgestellt wurde, weil Maps unkreativ und hingeschludert wirken. Entweder sie sind viel zu groß (bei 10vs10 oft der Fall) oder viel zu klein. Nur ein paar wenige sind in der goldenen Mitte anzusiedeln. Außerdem sind die meisten Karten sehr camperfreundlich gestaltet bzw. sie begünstigen das Campen - das wohl größte Manko. Es nimmt mir den Spaß am Spiel, wenn man auf kleinen Maps, die fürs Rushen ausgelegt sind, ständig von der Seite oder von hinten weggegammelt wird. Das habe ich so schlimm noch in keinem CoD gesehen, weder MW1/2/3 noch Black Ops 2.
    3. Das Lobbysystem (und wie es mit Spielern interagiert) ist teilweise unverständlich und buggy. Die Lobbbyfunktion anfangs zu finden ist das eine, aber eine Spielsuche abzubrechen wird mit dem Knopf "Lobby verlassen" durchgeführt, mit dem man in die Lobby mit Freunden kommt. Makes Sense!? Manchmal musste ich als ehemaliger Spielleiter erneut den Multiplayer betreten, die Lobby manuell nochmals verlassen und das Game schließen, bevor sie wirklich aufgelöst wurde. Oft fliegen Spieler raus, entweder bei der Suche oder nach dem Match. Und das ist nur das, was ich selbst mitbekommen habe.
    4. Leaver werden nicht gefilled: Wenn ein Spiel 4vs6 statt 6vs6 anfängt, bleibt es meistens auch 4vs6. Domination z.B. ist zu viert niemals so gut spielbar wie zu sechst, da man mit 4 Leuten einfach viel schlechter Punkte einnehmen und halten kann. Und auch sonst nimmt es dem Spiel die Fairness.
    5. In meiner letzten Multiplayersession hatte ich vier- oder fünfmal nacheinander Cheater in der Lobby - ausnahmslos immer im Gegnerteam. Im eigenen ist es natürlich auch schlimm, nur fällt es dann nicht so auf. Und ich rede hier nicht im Sinne von "Der hat an, ich habs durch die Wand gesehen!" - sondern Wallhack und Aimbot vom feinsten. Das hätte selbst Die Ilse gesehen und ihm direkt fuffzehn jeknallt... war mir definitiv zu viel Gecheate für einen Abend.
    6. Man kann leider keine Karten, sondern nur Spielmodi wählen. Wem die Karte nicht zusagt, dem bleibt nur das Verlassen der Lobby übrig. Eine Mapwahl ist eigentlich Standard und sollte definitiv fester Bestandteil des Spiels sein.
    7. Das Respawn-System ist generell fürn Arsch. Man spawnt unglaublich oft vor oder neben Gegnern, die teilweise sogar schon ewig da rumcampen. Oder man spawnt einfach unterm gegnerischen Heli. Wenn man kurz für 1,5 Sekunden unverwundbar wäre, wäre das völlig legitim! Aber... leider nein.
    8. Pay for Game && Pay to Win && Have Fun: Wir leben in einer Zeit, in der man Modern Warfare als AAA-Titel zum Vollpreis kauft und ingame ausufernd oft mit dem Battle Pass zugespammt wird, der natürlich nochmal Geld kostet. Der Battle Pass wäre eine dufte Sache, wenn man ihn freispielen könnte und das Gespamme nach jeder Spielrunde nicht wäre. Wirklich lächerlich wird es, wenn man sich für Geld einfach mal so 20 Level kaufen kann, damit irgendwelche reichen Moneybois sofort mit hochkarätigeren Waffen durchstarten können. Will und muss ich nicht verstehen... aber sei's drum. Wenn IW endlich ein paar Bugfixes bringen würde anstatt ständig neuen (aus meiner Sicht) unnötigen kosmetischen Scheiß, wäre das zu verschmerzen. Aber die Prioritäten von Inzinity Ward sind hier einfach komplett daneben.


    Schlusswort

    Ich habe es wochenlang probiert und wirklich die Zähne zusammengebissen. Aber so, wie der Multiplayer jetzt aktuell gestaltet ist - nicht zuletzt wegen der Karten - kann ich ihn nicht empfehlen.


    Kampagne (Spoiler markiert)

    Auch hier muss man sagen: ich bin durch die hervorragende Story von CoD 4-6 geprägt. Infinity Ward beherrscht die Sparte des Storytelling unglaublich gut. Das Storytelling beinhaltet nahtlose Übergänge von Zwischensequenzen zu den Einzelspielermissionen, ohne dass irgendwo ein Ladebalken auftaucht. Es ist wie ein fünf- bis sechsstündiger Film, der sich immer weiter fortsetzt. Die technische Grundlage stimmt also... im Gegensatz zum Drehbuch. Es mussten 3 Stunden vergehen, bis es wirklich eine Wendung gab - und selbst dieser wird die Dramatik kurze Zeit später wieder genommen und ließ mich als Zuschauer ziemlich enttäuscht zurück. Wäre das Storytelling nicht gewesen, hätte ich die Kamapgne nach spätestens 2h ausgemacht.


    Doch nicht nur das Drehbuch ist lasch und alles andere als fesselnd. Die Gespräche in den Filmszenen würde meine Mutter als "Dialoge des Grauens" bezeichnen. Es gibt kaum Wortwitz oder tolle Wortspiele, was nicht gerade dazu beiträgt, dass die Charaktere geformt werden und man sich an irgendeiner Stelle mit dem einen oder anderen identifizieren kann. Ich hatte das Gefühl, das war auch gar nicht gewollt und die Action musste einfach immer im Vordergrund stehen à la "Der Zweck heiligt die Mittel". Dass die Übersetzung daran Schuld ist, glaube ich mittlerweile nicht mehr. Der einzige Charakter, mit dem ich als alter CoD-Freak wirklich die ganze Zeit mitziehen konnte, war Captain Price.


    Auch moralisch und ethisch hat mir das Spiel nichts gegeben:



    Fazit

    6 Stunden intensives Geballer können ganz schön schnell vorbei sein, wenn die Zwischensequenzen so nichtssagend und vorhersehbar sind, nur damit man feststellt, dass die eigene Fantasie die nächste Mission im Voraus besser hinbekommen hätte als der Entwickler. Ich habe zwar noch die Hoffnung, dass dieser grottige Schatten seiner selbst eine fantastilöse Kampagne im nächsten Teil vorbereitet, aber werde nicht das Geld investieren, um es herauszufinden.


    Zugegeben, ich habe das Spiel beim Giveaway von lecom1020 gewonnen. Aber dass ich mir trotzdem die Zeit nehme und meine Meinung in ein Review transformiere zeigt, dass ich nicht mal 5 Euro für das Game ausgegeben hätte. Schade, dass die Erstattungsphase schon vorbei ist. Vielleicht hätte jemand anderes mehr Spaß damit gehabt. Bei mir wird es wohl für immer als Mumie in meinem Battle.net Client versauern.